Silence/Stille

Klänge werden durch die Stille definiert, die sie umgibt. Und auf diese Weise wird die Stille selbst zu einem wichtigen Anteil in der Komposition.

Die Kraft der Stille

Stelle dir ein Orchester in einem vollen Konzertsaal vor. Stell dir die Pause vor, in der der Dirigent seinen Taktstock hochhält und der Pauker im Schlagzeugbereich seinen Schlägel über seinem Instrument hochhält.

Dieser Moment ist voller Erwartung, voller Vorfreude auf den Klang, der folgen wird.

In dieser Szene nutzt der Dirigent die Stille, um den Beginn des Stückes zu artikulieren und zu betonen. Er lässt das Publikum warten, damit es die Klänge, wenn sie auftauchen, mehr zu schätzen weiß.

Wir können die Stille auf genau dieselbe Art und Weise einsetzen, um Klänge an irgendeinem Punkt innerhalb einer Komposition hervorzuheben. Die Abwesenheit von Klang wird also genauso wichtig wie die klingenden Objekte innerhalb eines Stückes.

 

Fakt 

Der Komponist Claude Debussy glaubte fest an die Kraft der Stille und schrieb einmal: „Musik ist der Raum zwischen den Noten“.

Hörübung

Höre dir diese zwei Audio-Beispiele an:

 

Ständiges Piepsen

https://ears2.dmu.ac.uk/wp-content/uploads/2013/08/Beeps.mp3

 

Piepsen mit Stille

https://ears2.dmu.ac.uk/wp-content/uploads/2013/08/BeepsSpace.mp3

 

Wie unterscheidet sich die Gewichtung zwischen diesen beiden Audiodateien?

Eine mögliche Antwort:

In der ersten Audiodatei sind die Töne sehr gleichmäßig und konstant.

Aber im zweiten Beispiel hat der letzte Piepton eine viel stärkere Betonung (man könnte ihn als Downbeat beschreiben) und wirkt wie ein Punkt.

Hast du das gehört? Wenn nicht, dann höre dir die beiden Audiodateien noch einmal an.

Antwort

In der ersten Audiodatei sind die Töne sehr gleichmäßig und konstant.

Aber im zweiten Beispiel hat der letzte Piepton eine viel stärkere Betonung (man könnte ihn als Downbeat beschreiben) und wirkt wie ein Punkt.

Hast du das gehört? Wenn nicht, dann höre dir die beiden Audiodateien noch einmal an.

Stille in der Komposition

Oft, wenn Komponisten das Gefühl haben, dass ihr Stück noch nicht ganz richtig ist, stürzen sie sich darauf, mehr und mehr Klänge hinzuzufügen. In Wahrheit ist es genauso wahrscheinlich, dass ihr Stück möglicherweise weniger Klänge und mehr Stille benötigt.

Manchmal kann es eine bessere kompositorische Wahl sein, Klänge wegzunehmen.

Die Stille gibt dem Publikum die Möglichkeit, innezuhalten, das Vorhergehende aufzunehmen und sich auf die nächsten Klänge vorzubereiten.

Die Kraft der Stille

Stille kann wirklich stark sein. Sie kann deine Klänge hervorheben, indem sie einen extremen Kontrast bietet.

Der Sprung zwischen Stille und Klang, lässt den Klang selbst lauter und eindrucksvoller erscheinen.

Es gibt dem Publikum auch Zeit, frühere Klangereignisse zu absorbieren und sich auf das nächste vorzubereiten.

 

Übung

Versuche, Lücken zu machen und die Stille als kompositorisches Werkzeug in deinen eigenen Stücken zu benutzen.

Identifiziere Schlüsselklänge innerhalb deines Stückes und betone sie, indem du Stille einfügst, entweder vor oder nach ihnen.

 

Extra 

Existiert Stille überhaupt?
John Cage erkannte, dass es so etwas wie völlige Stille in der wirklichen Welt nicht gibt. Selbst wenn du keinen Klang machst, gibt es immer noch das Surren des Computers und Geräusche von außen. Cages Stück 4’33“ nutzte diese Tatsache zu seinem Vorteil, indem es die Leute dazu ermutigte, den Klängen außerhalb des Interpreten zu lauschen und die alltäglichen Klänge des Publikums als kompositorisches Material hervorhob.